DOCV stellt GGL Zahlen zum deut­schen Online Schwarz­markt infrage

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Die Debatte um die Größe und den Einfluss des deut­schen Schwarz­marktes für Onlin­e­glücks­spiele hat sich nach neuer Kritik seitens des Deut­schen Onli­ne­ca­sino-Verbandes (DOCV) verschärft. Der Verband hat die jüngsten Schät­zungen der Gemein­samen Glücks­spiel­be­hörde der Länder (GGL) offen in Frage gestellt und argu­men­tiert, dass die Zahlen der Regu­lie­rungs­be­hörde das tatsäch­liche Ausmaß der nicht lizen­zierten Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten deut­lich unter­schätzen.

Im Mittel­punkt der Diskus­sion steht das Konzept der Kana­li­sie­rung, das den Anteil der Spieler misst, die lizen­zierte Anbieter anstelle von unre­gu­lierten Platt­formen nutzen. Laut GGL geht aus ihrer jüngsten Analyse hervor, dass etwa 77,03 Prozent der Onlin­e­glücks­spiel­ak­ti­vi­täten in Deutsch­land über regu­lierte Anbieter abge­wi­ckelt werden. Während dies darauf hindeutet, dass sich die Mehr­heit der Nutzer inner­halb des recht­li­chen Rahmens bewegt, argu­men­tieren Kritiker, dass der verblei­bende Anteil, der dem Schwarz­markt zuge­schrieben wird, erheb­lich größer sein könnte, als offi­zi­elle Schät­zungen vermuten lassen.

GGL-Bericht präsen­tiert stabile, aber umstrit­tene Ergeb­nisse

Die Schluss­fol­ge­rungen der GGL basieren auf einer Studie, die in Zusam­men­ar­beit mit dem Block­chain Rese­arch Lab durch­ge­führt wurde. Der Bericht schätzt, dass die von nicht lizen­zierten Anbie­tern erzielten Brut­to­spie­ler­träge im Jahr 2024 etwa 547 Millionen Euro erreichten, was einen Anstieg gegen­über 466 Millionen Euro im Jahr 2023 darstellt. Dies entspricht einem bemer­kens­werten Anstieg von rund 17 Prozent im Jahres­ver­gleich.

Trotz dieses Wachs­tums hat die Regu­lie­rungs­be­hörde erklärt, dass die Ergeb­nisse weit­ge­hend mit ihren Erwar­tungen über­ein­stimmen und eine relativ stabile Markt­struktur unter den derzei­tigen regu­la­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen in Deutsch­land wider­spie­geln. Die GGL hat stets betont, dass ihre Maßnahmen die Markt­ka­na­li­sie­rung schritt­weise verbes­sern und gleich­zeitig den Verbrau­cher­schutz sowie die behörd­liche Aufsicht gewähr­leisten.

Diese Schluss­fol­ge­rungen blieben jedoch nicht unan­ge­fochten.

DOCV äußert Bedenken hinsicht­lich Methodik und Annahmen

Simon Prig­linger-Simader, Vize­prä­si­dent von DOCV, hat die Ergeb­nisse der Regu­lie­rungs­be­hörde beson­ders laut­stark ange­fochten. Er bezeich­nete die gemel­dete Kana­li­sie­rungs­rate als „konser­vativ“ und poten­ziell irre­füh­rend und deutete an, dass metho­di­sche Einschrän­kungen zu einem unvoll­stän­digen Bild des Marktes geführt haben könnten.

Laut Prig­linger-Simader leidet die Studie unter einer, wie er es nennt, „nicht reprä­sen­ta­tiven Stich­probe“; er argu­men­tiert, dass der Daten­er­he­bungs­pro­zess das Verhalten von Nutzern, die nicht lizen­zierte Glücks­spiel­platt­formen nutzen, mögli­cher­weise nicht ange­messen erfasst. Er erklärte ferner, dass die Ergeb­nisse „nicht mit den uns bekannten Steu­er­zahlen über­ein­stimmen“, was auf eine Diskre­panz zwischen den gemel­deten Zahlen und den tatsäch­li­chen Steu­er­in­di­ka­toren hindeutet.

Diese Bedenken spie­geln eine brei­tere Debatte in der Branche darüber wider, wie ille­gale oder unre­gu­lierte wirt­schaft­liche Akti­vi­täten am besten gemessen werden können, insbe­son­dere in Sektoren, in denen Angaben der Nutzer mögli­cher­weise unzu­ver­lässig sind.

Heraus­for­de­rungen bei der Messung der Teil­nahme an ille­galem Glücks­spiel

Eines der zentralen Probleme, auf das DOCV hinweist, betrifft das, was gemeinhin als Erin­ne­rungs­ver­zer­rung bezeichnet wird. Dieses Phänomen tritt auf, wenn Umfra­ge­teil­nehmer unge­naue oder unvoll­stän­dige Infor­ma­tionen liefern, oft aufgrund von Gedächt­nis­lü­cken oder der Zurück­hal­tung, bestimmte Verhal­tens­weisen offen­zu­legen.

Prig­linger-Simader unter­strich diese Heraus­for­de­rung mit der Fest­stel­lung: „Wenn man jemanden fragt, ob er an ille­galem Glücks­spiel teil­nimmt, wird er höchst­wahr­schein­lich ‚nein‘ sagen.“ Diese Beob­ach­tung weist auf eine struk­tu­relle Einschrän­kung bei umfra­ge­ba­sierten Methoden hin, insbe­son­dere wenn es um Akti­vi­täten geht, die mit einem recht­li­chen oder sozialen Stigma behaftet sein können.

Neben den Einschrän­kungen von Umfragen argu­men­tiert DOCV, dass Verhal­tens­an­reize eine wesent­liche Rolle dabei spielen, Nutzer zu nicht lizen­zierten Platt­formen zu treiben. Diese Platt­formen arbeiten oft ohne die regu­la­to­ri­schen Auflagen, denen lizen­zierte Betreiber unter­liegen, darunter Begren­zungen von Verlusten, Wett­ge­schwin­dig­keiten und Werbe­an­ge­boten.

Wett­be­werbs­un­gleich­ge­wicht zwischen lizen­zierten und nicht lizen­zierten Anbie­tern

DOCV hat darauf hinge­wiesen, dass stren­gere regu­la­to­ri­sche Anfor­de­rungen in Deutsch­land unbe­ab­sich­tigt zur Attrak­ti­vität von Offshore- oder nicht lizen­zierten Glücks­spiel­diensten beitragen könnten. Lizen­zierte Anbieter müssen eine Reihe von Verbrau­cher­schutz­maß­nahmen einhalten, darunter Einzah­lungs­li­mits und Beschrän­kungen der Spiel­in­ten­sität. Diese Regeln dienen zwar dem Schutz der Spieler, können aber auch die Wett­be­werbs­fä­hig­keit legaler Ange­bote im Vergleich zu weniger regu­lierten Alter­na­tiven verrin­gern.

Prig­linger-Simader wies darauf hin, dass lizen­zierte Betreiber Rück­mel­dungen von Kunden erhalten hätten, die angaben, speziell wegen dieser Einschrän­kungen zu nicht lizen­zierten Platt­formen gewech­selt zu sein. Solche Einzel­be­richte sind zwar nicht beweis­kräftig, verdeut­li­chen jedoch ein poten­zi­elles Span­nungs­ver­hältnis zwischen Regu­lie­rungs­zielen und Markt­dy­namik.

Der Verband hat daher eine diffe­ren­zier­tere Markt­be­wer­tung gefor­dert, die sowohl die Wirk­sam­keit der Regu­lie­rung als auch das Nutzer­ver­halten berück­sich­tigt.

Alter­na­tive Unter­su­chungen deuten auf eine höhere Betei­li­gung am Schwarz­markt hin

DOCV hat auf eigene Unter­su­chungen als alter­na­tiven Maßstab verwiesen. Eine 2023 von Gunther Schnabl von der Univer­sität Leipzig durch­ge­führte Studie ergab, dass etwa die Hälfte der deut­schen Onlin­e­glücks­spieler mögli­cher­weise irgend­wann einmal ille­gale Platt­formen genutzt hat. Diese Schät­zung liegt deut­lich über den von der GGL vorge­legten Zahlen.

Zwar unter­scheiden sich die Metho­diken der Studien, doch unter­strei­chen die unter­schied­li­chen Ergeb­nisse die Komple­xität einer genauen Quan­ti­fi­zie­rung nicht lizen­zierter Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten. DOCV vertritt die Auffas­sung, dass seine Unter­su­chung eine realis­ti­schere Perspek­tive auf das Spie­ler­ver­halten bietet, räumt jedoch auch die mit der Messung solcher Akti­vi­täten verbun­denen Heraus­for­de­rungen ein.

Eine aktua­li­sierte Version dieser Studie wird für Mitte 2025 erwartet, die neue Daten­quellen wie Markt­ana­lysen und über­ar­bei­tete Klas­si­fi­zie­rungen ille­galer Anbieter einbe­zieht. Der bevor­ste­hende Bericht könnte weitere Impulse für die laufende poli­ti­sche Debatte liefern.

Weiter­rei­chende Bedenken, die durch natio­nale Umfragen aufge­worfen wurden

Die Diskus­sion um Schwarz­markt-Glücks­spiele findet parallel zu einer umfas­sen­deren Über­prü­fung des deut­schen Regu­lie­rungs­um­felds statt. Die Glücks­spiel-Survey 2025, durch­ge­führt von Forschern des Insti­tuts für Inter­dis­zi­pli­näre Sucht- und Drogen­for­schung und der Univer­sität Bremen, hat Bedenken hinsicht­lich Glücks­spiel­wer­bung und Spie­ler­schutz aufge­zeigt.

Die Umfrage empfiehlt eine Verla­ge­rung hin zu dem, was sie als „struk­tu­relle Präven­tion anstelle einer vorran­gigen Abhän­gig­keit von der Eigen­ver­ant­wor­tung zur Mini­mie­rung von Glücks­spiel­ri­siken“ bezeichnet. Dieser Ansatz betont syste­mi­sche Maßnahmen, wie stren­gere Kontrollen der Werbung und eine verstärkte Über­wa­chung der Prak­tiken der Anbieter, anstatt sich ausschließ­lich auf das Verhalten der Spieler zu konzen­trieren.

Diese Ergeb­nisse deuten darauf hin, dass die Wirk­sam­keit des deut­schen Glücks­spiel­rah­mens aus verschie­denen Perspek­tiven bewertet wird, darunter öffent­liche Gesund­heit, Verbrau­cher­schutz und Markt­re­gu­lie­rung.

Regu­la­to­ri­sche Über­prü­fung des Glücks­spiel­staats­ver­trags

All diese Entwick­lungen kommen zu einem entschei­denden Zeit­punkt, da sich die GGL darauf vorbe­reitet, die ersten fünf Jahre des deut­schen Glücks­spiel­staats­ver­trags zu über­prüfen. Dieser Rechts­rahmen, der das Onlin­e­glücks­spiel im ganzen Land regelt, wurde einge­führt, um ein einheit­li­ches Regu­lie­rungs­system zu schaffen, das Markt­zu­gang und Spie­ler­schutz in Einklang bringt.

Die Über­prü­fung soll dem Bundestag noch in diesem Jahr vorge­legt werden. Darin wird bewertet, ob der Vertrag seine wich­tigsten Ziele erreicht hat, darunter die Verbes­se­rung der Kana­li­sie­rung, die Eindäm­mung ille­galer Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten, die Durch­set­zung von Werbe­stan­dards und die Siche­rung der Nach­hal­tig­keit lizen­zierter Betreiber.

Ange­sichts der gegen­sätz­li­chen Stand­punkte der Regu­lie­rungs­be­hörde und der Bran­chen­ak­teure dürfte die Über­prü­fung eine bedeu­tende Rolle bei der Gestal­tung künf­tiger poli­ti­scher Entschei­dungen spielen.

Fazit

Die anhal­tende Debatte zwischen DOCV und der GGL verdeut­licht die inhä­rente Komple­xität der Regu­lie­rung und Messung von Online-Glücks­spiel­märkten in einem sich rasch wandelnden digi­talen Umfeld. Während die Regu­lie­rungs­be­hörde behauptet, dass ihre Daten eine stabile und sich verbes­sernde Lage wider­spie­geln, argu­men­tieren Bran­chen­ver­treter, dass metho­di­sche Einschrän­kungen das wahre Ausmaß der Schwarz­markt­ak­ti­vi­täten verschleiern könnten.

Im Kern wirft die Diskus­sion weiter­ge­hende Fragen darüber auf, wie Verbrau­cher­schutz und Markt­wett­be­werbs­fä­hig­keit am besten in Einklang gebracht werden können. Stren­gere Vorschriften können zwar die Sicher­heit der Spieler erhöhen, aber sie können auch einige Nutzer zu weniger regu­lierten Alter­na­tiven treiben, wenn sie nicht sorg­fältig abge­stimmt sind.

Da Deutsch­land kurz vor einer formellen Über­prü­fung seines Glücks­spiel­rah­mens steht, werden die gegen­sätz­li­chen Perspek­tiven von Regu­lie­rungs­be­hörden, Bran­chen­ver­bänden und wissen­schaft­li­chen Forschern wahr­schein­lich zu einem umfas­sen­deren Verständnis des Marktes beitragen. Das Ergebnis dieses Prozesses könnte nicht nur die natio­nale Politik, sondern auch umfas­sen­dere Regu­lie­rungs­an­sätze in ganz Europa beein­flussen.

Letzt­end­lich bleibt das Errei­chen eines wirk­samen Gleich­ge­wichts zwischen Durch­set­zung, Verbrau­cher­schutz und Markt­fä­hig­keit eine komplexe Aufgabe, die eine konti­nu­ier­liche Analyse, trans­pa­rente Daten und einen konstruk­tiven Dialog zwischen allen Betei­ligten erfor­dert.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter „Chan­ne­li­sa­tion“ im Onlin­e­glücks­spiel?
„Chan­ne­li­sa­tion“ bezeichnet den Prozent­satz der Spieler, die lizen­zierte und regu­lierte Glücks­spiel­platt­formen anstelle von nicht lizen­zierten Anbie­tern nutzen.

Warum stellt DOCV die Daten der GGL in Frage?
DOCV ist der Ansicht, dass die von der GGL verwen­dete Methodik die Akti­vi­täten auf dem Schwarz­markt unter­schätzt und die tatsäch­li­chen Markt­be­din­gungen nicht wider­spie­gelt.

Was heißt es im GGL-Bericht über den Schwarz­markt?
Die GGL schätzte, dass nicht lizen­ziertes Glücks­spiel im Jahr 2024 einen Umsatz von 547 Millionen Euro bei einer Chan­ne­li­sa­tion-Rate von 77,03 Prozent gene­rierte.

Was ist ein Erin­ne­rungs­ver­zer­rung in Glücks­spiel­stu­dien?
Eine Erin­ne­rungs­ver­zer­rung tritt auf, wenn Umfra­ge­teil­nehmer unge­naue Antworten geben, oft aufgrund von Gedächt­nis­pro­blemen oder der Zurück­hal­tung, bestimmte Verhal­tens­weisen zuzu­geben.

Wer ist Simon Prig­linger-Simader?
Er ist Vize­prä­si­dent der DOCV und eine wich­tige Stimme in der Debatte um die Glücks­spiel­re­gu­lie­rung in Deutsch­land.

Welche alter­na­tive Studie hat die DOCV ange­führt?
Die DOCV verwies auf eine Studie des Ökonomen Gunther Schnabl, die darauf hindeutet, dass etwa die Hälfte der deut­schen Spieler ille­gale Glücks­spiel­platt­formen nutzt.

Was ist die Glücks­spiel-Survey 2025?
Es handelt sich um eine natio­nale Umfrage, die das Glücks­spiel­ver­halten und die Risiken in Deutsch­land unter­sucht und von Forschungs­ein­rich­tungen durch­ge­führt wird.

Welche Ände­rungen werden für die Regu­lie­rung vorge­schlagen?
Die Forscher haben stär­kere struk­tu­relle Präven­ti­ons­maß­nahmen empfohlen, anstatt sich haupt­säch­lich auf die Eigen­ver­ant­wor­tung zu verlassen.

Was ist der Glücks­spiel­staats­ver­trag?
Es handelt sich um Deutsch­lands Rechts­rahmen für Onlin­e­glücks­spiele, der für alle Bundes­länder gilt.

Was wird die Über­prü­fung durch den Bundestag beinhalten?
Der Bundestag wird beur­teilen, ob die aktu­ellen Glücks­spiel­ge­setze Ziele wie den Spie­ler­schutz und die Eindäm­mung ille­galer Akti­vi­täten erreicht haben.

Paula Nancy
Paula Nancy
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