Über­prü­fung des schwe­di­schen Glücks­spiel­ge­setzes mit stren­geren Regeln

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Schweden über­prüft erneut die Grund­lagen seiner Glücks­spiel­re­gu­lie­rung. Ein kürz­lich veröf­fent­lichtes Memo­randum von Marcus Isgren, der mit der Bewer­tung des schwe­di­schen Glücks­spiel­ge­setzes beauf­tragt wurde, enthält Empfeh­lungen, die die Regu­lie­rung von lizen­zierten und nicht lizen­zierten Anbie­tern in diesem Land erheb­lich verän­dern könnten. Die Vorschläge, die bereits vom staat­li­chen Anbieter Svenska Spel begrüßt wurden, zielen darauf ab, den Verbrau­cher­schutz zu stärken, die Inte­grität des regu­lierten Marktes zu gewähr­leisten und die Möglich­keiten für ille­gale Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten zu verrin­gern.

Hinter­grund der Über­prü­fung

Das schwe­di­sche Glücks­spiel­ge­setz, das 2019 in Kraft trat, sollte ein Gleich­ge­wicht zwischen der Schaf­fung eines wett­be­werbs­ori­en­tierten regu­lierten Marktes und der Verhin­de­rung des Zugangs nicht lizen­zierter Betreiber zu schwe­di­schen Verbrau­chern herstellen. Aller­dings gab es immer wieder Zweifel an seiner Wirk­sam­keit.

Anfang 2025 wurde Marcus Isgren mit der Über­prü­fung des Gesetzes beauf­tragt. Sein Ziel war es, Bereiche zu iden­ti­fi­zieren, in denen das Gesetz einer Klar­stel­lung oder Verschär­fung bedurfte. Nach mona­te­langen Unter­su­chungen, Konsul­ta­tionen und recht­li­chen Analysen hat Isgren nun seine Ergeb­nisse dem schwe­di­schen Finanz­mi­nis­te­rium vorge­legt. Die Empfeh­lungen zielen sowohl auf Regu­lie­rungs­lü­cken als auch auf Heraus­for­de­rungen bei der Durch­set­zung ab, die in den letzten Jahren zuneh­mend sichtbar geworden sind.

Verla­ge­rung des Rich­tungs­kri­te­riums auf ein Teil­neh­mer­kri­te­rium

Eine der wich­tigsten vorge­schla­genen Ände­rungen betrifft das soge­nannte „Rich­tungs­kri­te­rium”. Nach dem bestehenden Rahmen konzen­trieren sich die Durch­set­zungs­maß­nahmen der Spelin­spek­tionen – der schwe­di­schen Glücks­spiel­be­hörde – in der Regel darauf, ob nach­ge­wiesen werden kann, dass ein Betreiber schwe­di­sche Spieler anspricht. Als Nach­weis für Durch­set­zungs­maß­nahmen wurden bisher beispiels­weise schwe­disch­spra­chige Websites, lokale Werbung oder speziell auf Schweden ausge­rich­tete Marke­ting­maß­nahmen heran­ge­zogen.

Isgren schlägt vor, diesen Test durch ein breiter gefasstes „Teil­neh­mer­kri­te­rium” zu ersetzen. Dadurch würde der Fokus nicht mehr darauf liegen, ob eine Glücks­spiel­platt­form aktiv schwe­di­sche Spieler anspricht, sondern darauf, ob schwe­di­sche Verbrau­cher einfach auf die Platt­form zugreifen und daran teil­nehmen können.

Wenn diese Ände­rung ange­nommen wird, würden Betreiber dazu verpflichtet, proak­tive Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhin­dern, dass schwe­di­sche Spieler unli­zen­zierte Glücks­spiel­dienste in Anspruch nehmen. Dieser Ansatz würde es Betrei­bern auch erschweren, zu argu­men­tieren, dass sie nicht auf Schweden abzielen, nur weil sie offenes Marke­ting in diesem Land vermeiden.

Anna Johnson, Geschäfts­füh­rerin von Svenska Spel, begrüßte diese Empfeh­lung mit folgenden Worten:
„Wir sind seit langem der Meinung, dass die Vorschriften für ille­gales Glücks­spiel verschärft werden müssen. Dabei geht es um einen besseren Schutz der Verbrau­cher, aber auch um die Wahrung des Vertrauens in den gesamten schwe­di­schen Glücks­spiel­markt.“

Erwei­terte Verant­wor­tung für Finanz- und Verwal­tungs­dienst­leister

Eine zweite wich­tige Empfeh­lung betrifft das finan­zi­elle und admi­nis­tra­tive Ökosystem, das Onlin­e­glücks­spiele unter­stützt. Nach dem geltenden Gesetz ist die Werbung für ille­gale Glücks­spiele verboten, aber Dienst­leister wie Zahlungs­ab­wickler, Fintech-Unter­nehmen oder Back­of­fice-Support-Unter­nehmen fallen nicht ausdrück­lich in den Haftungs­be­reich.

Das Memo­randum empfiehlt, die Haftung auf diese Akteure auszu­weiten. Es schlägt vor, dass Unter­nehmen, die Zahlungs­lö­sungen oder Verwal­tungs­dienst­leis­tungen anbieten, die Verant­wor­tung dafür über­nehmen sollten, zu über­prüfen, ob die Glücks­spiel­platt­formen, mit denen sie zusam­men­ar­beiten, in Schweden lizen­ziert sind.

Gemäß dem Vorschlag müssten Dienst­leister davon ausgehen, dass sich unter den Nutzern der Platt­form auch schwe­di­sche Verbrau­cher befinden. Sofern der Betreiber nicht über eine schwe­di­sche Lizenz verfügt, würde die Erbrin­gung von Dienst­leis­tungen wie die Erleich­te­rung von Ein- und Auszah­lungen einen Verstoß gegen das Glücks­spiel­ge­setz darstellen.

Die Einbe­zie­hung von Finanz­in­ter­me­diären stellt eine bedeu­tende poli­ti­sche Wende dar. Sie signa­li­siert die Absicht, die größeren Netz­werke zu zerschlagen, die es nicht lizen­zierten Betrei­bern ermög­li­chen, ihr Geschäft in Schweden aufrecht­zu­er­halten.

Stär­kung des Selbst­aus­schlusses von Spel­paus

Die Über­prü­fung richtet ihr Augen­merk auch auf Spel­paus, das natio­nale Selbst­aus­schluss-System Schwe­dens. Seit seiner Einfüh­rung gilt Spel­paus inter­na­tional als wegwei­sendes Instru­ment zum Schutz der Verbrau­cher, da es Einzel­per­sonen ermög­licht, sich mit einer einzigen Regis­trie­rung von allen lizen­zierten Glücks­spiel­platt­formen auszu­schließen.

Die Regu­lie­rungs­be­hörden haben jedoch Schwach­stellen fest­ge­stellt, insbe­son­dere in Bezug auf die Iden­ti­fi­zie­rung und Durch­set­zung. Berichten zufolge ist es einigen Verbrau­chern gelungen, die Beschrän­kungen zu umgehen, während bestimmte Betreiber beschul­digt wurden, Spel­paus nicht effektiv inte­griert zu haben.

Die vorge­schla­genen Ände­rungen würden den Betrei­bern stren­gere Iden­ti­fi­zie­rungs­an­for­de­rungen aufer­legen. Dadurch würde sicher­ge­stellt, dass keine in Spel­paus regis­trierte Person an Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten teil­nehmen kann, wodurch poten­zi­elle Lücken bei der Durch­set­zung geschlossen würden.

Bedenken hinsicht­lich der Markt­ka­na­li­sie­rung

Die Wirk­sam­keit der schwe­di­schen Glücks­spiel­re­gu­lie­rung wird häufig anhand der Kana­li­sie­rungs­rate gemessen – dem Anteil der Glücks­spiel­ak­ti­vi­täten, die inner­halb des lizen­zierten und regu­lierten Marktes statt­finden.

Im September 2025 berich­tete Spelin­spek­tionen, dass die Kana­li­sie­rung auf 85 % gefallen war und damit unter dem von der Regie­rung fest­ge­legten Ziel von 90 % lag. Der Rück­gang gab Anlass zu der Befürch­tung, dass nicht lizen­zierte Betreiber trotz der Durch­set­zungs­maß­nahmen an Boden gewinnen könnten.

Wenn die vorge­schla­genen Reformen verab­schiedet werden, sollen sie am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Befür­worter der Ände­rungen argu­men­tieren, dass sie eine entschei­dende Rolle dabei spielen könnten, die Kana­li­sie­rung wieder auf über 90 % zu bringen und die Nach­hal­tig­keit des regu­lierten Sektors zu stärken.

Johnson von Svenska Spel unter­strich die Bedeu­tung weiterer Maßnahmen:
„Es ist absolut notwendig, weitere Maßnahmen zur Bekämp­fung des ille­galen Glücks­spiels zu ergreifen.“

Unter­stüt­zung durch die Branche und poli­ti­sche Auswir­kungen

Die Vorschläge finden nicht nur die Unter­stüt­zung von Svenska Spel, sondern auch vom schwe­di­schen Verband der Onlin­e­glücks­spiel­an­bieter, BOS. Der Verband vertritt viele lizen­zierte Anbieter und hat sich konse­quent für eine faire, aber strenge Regu­lie­rung einge­setzt, um gleiche Wett­be­werbs­be­din­gungen zu gewähr­leisten.

BOS-Gene­ral­se­kretär Gustaf Hoff­stedt begrüßte die Empfeh­lungen mit den Worten:
„Ich gehe davon aus, dass die Regie­rung dem Reichstag in Kürze einen Gesetz­ent­wurf vorlegen wird, der dem Vorschlag der Unter­su­chung entspricht. Gute Arbeit, Herr Unter­su­chungs­be­auf­tragter, und mit der Hoff­nung auf ebenso gute Arbeit seitens der Regie­rung und des Reichs­tags, um nun mit der Gesetz­ge­bung in dieser Ange­le­gen­heit fort­zu­fahren. Ille­gales Glücks­spiel in Schweden muss ausge­rottet werden.“

Diese öffent­liche Unter­stüt­zung sowohl durch einen staat­li­chen Betreiber als auch durch einen Bran­chen­ver­band deutet darauf hin, dass die Regie­rung auf relativ wenig Wider­stand stoßen wird, wenn sie beschließt, die Gesetz­ge­bung voran­zu­treiben.

Es wird nun erwartet, dass das Finanz­mi­nis­te­rium das Memo­randum bewertet, die Inter­es­sen­gruppen konsul­tiert und einen Gesetz­ent­wurf zur parla­men­ta­ri­schen Bera­tung vorbe­reitet. Poli­ti­sche Debatten sind zwar unver­meid­lich, aber die breite Unter­stüt­zung durch wich­tige Inter­es­sen­gruppen dürfte den Prozess erleich­tern.

Weiter­rei­chende Auswir­kungen auf die Regu­lie­rung des Glücks­spiels

Der Ansatz Schwe­dens wird von anderen euro­päi­schen Ländern aufmerksam beob­achtet. Mehrere Länder ringen mit der Frage, wie nicht lizen­zierte Anbieter kontrol­liert werden können, insbe­son­dere in einer Zeit, in der grenz­über­schrei­tende Online­dienste relativ leicht Verbrau­cher errei­chen können.

Die Verla­ge­rung hin zu einem Teil­neh­mer­kri­te­rium und die Aufer­le­gung von Verpflich­tungen für Finanz­in­ter­me­diäre könnten ähnliche Regu­lie­rungs­mo­delle in anderen Ländern inspi­rieren. Durch die Auswei­tung des Kreises der Verant­wort­li­chen könnte Schweden einen Präze­denz­fall schaffen, der die Durch­set­zungs­me­cha­nismen in ganz Europa stärkt.

Gleich­zeitig muss die Regie­rung ein Gleich­ge­wicht zwischen Verbrau­cher­schutz und Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Marktes finden. Lizen­zierte Betreiber haben bereits davor gewarnt, dass über­mäßig restrik­tive Maßnahmen den regu­lierten Markt weniger attraktiv machen und die Spieler zu nicht lizen­zierten Alter­na­tiven treiben könnten. Die Wirk­sam­keit der Reformen wird daher von einer sorg­fäl­tigen Umset­zung und einem konti­nu­ier­li­chen Dialog mit den Inter­es­sen­gruppen der Branche abhängen.

Zeit­plan und nächste Schritte

Wenn die Regie­rung die Vorschläge annimmt, könnte in den kommenden Monaten ein Gesetz­ent­wurf im Reichstag einge­bracht werden. Nach der parla­men­ta­ri­schen Debatte und der Verab­schie­dung sollen die Ände­rungen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Dieser Zeit­plan sieht eine Über­gangs­phase vor, in der Betreiber, Dienst­leister und Regu­lie­rungs­be­hörden ihre Compli­ance­sys­teme anpassen können. Insbe­son­dere für Finanz- und Verwal­tungs­dienst­leister könnte die Anpas­sung erheb­liche Inves­ti­tionen in die Compli­ance-Infra­struktur erfor­dern.

Bis dahin wird der schwe­di­sche Glücks­spiel­markt weiterhin nach dem geltenden Gesetz betrieben. Dennoch ist die Rich­tung der Reform klar: mehr Verant­wor­tung für Betreiber, Dienst­leister und Regu­lie­rungs­be­hörden glei­cher­maßen bei der Bekämp­fung des ille­galen Glücks­spiels.

Fazit

Die Über­ar­bei­tung des schwe­di­schen Glücks­spiel­ge­setzes markiert einen entschei­denden Moment für den Rechts­rahmen des Landes. Durch die Verla­ge­rung vom Rich­tungs­kri­te­rium zum brei­teren Teil­neh­mer­kri­te­rium, die Auswei­tung der Haftung auf Finanz- und Verwal­tungs­dienst­leister und die Stär­kung von Verbrau­cher­schutz­in­stru­menten wie Spel­paus zielen die Vorschläge von Marcus Isgren darauf ab, Schlupf­lö­cher zu schließen, die es nicht lizen­zierten Betrei­bern ermög­licht haben, sich auf dem Markt zu behaupten.

Die Unter­stüt­zung sowohl von Svenska Spel als auch von BOS deutet darauf hin, dass ein breiter Konsens über die Notwen­dig­keit einer stren­geren Durch­set­zung und besserer Schutz­maß­nahmen besteht. Wenn die Reformen umge­setzt werden, könnten sie dazu beitragen, die Kana­li­sie­rungs­rate wieder auf über 90 % zu stei­gern, das Vertrauen in den regu­lierten Sektor zu stärken und als Vorbild für andere Länder dienen, die mit ähnli­chen Heraus­for­de­rungen zu kämpfen haben.

Letzt­end­lich hängt der Erfolg dieser Reformen nicht nur von der Zustim­mung des Gesetz­ge­bers ab, sondern auch von ihrer wirk­samen Umset­zung. Für Schweden besteht die Chance darin, zu zeigen, dass ein robustes Regu­lie­rungs­system sowohl die Verbrau­cher schützen als auch einen nach­hal­tigen, wett­be­werbs­fä­higen Glücks­spiel­markt gewähr­leisten kann.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das schwe­di­sche Glücks­spiel­ge­setz?
Das schwe­di­sche Glücks­spiel­ge­setz ist das wich­tigste Gesetz zur Regu­lie­rung des Glücks­spiels in Schweden. Es wurde 2019 einge­führt, um einen lizen­zierten Markt zu schaffen und die Verbrau­cher zu schützen.

Warum wird das Gesetz über­prüft?
Das Gesetz wird über­prüft, um Heraus­for­de­rungen im Zusam­men­hang mit nicht lizen­zierten Anbie­tern, rück­läu­figer Kana­li­sie­rung und Lücken in den Durch­set­zungs­me­cha­nismen anzu­gehen.

Wer leitete die Über­prü­fung des Glücks­spiel­ge­setzes?
Die Über­prü­fung wurde von Marcus Isgren geleitet, der Anfang 2025 damit beauf­tragt wurde, Bereiche zu iden­ti­fi­zieren, in denen das Gesetz gestärkt werden könnte.

Was ist das Rich­tungs­kri­te­rium?
Das Rich­tungs­kri­te­rium ist der derzei­tige recht­liche Test, mit dem anhand von Faktoren wie Sprache und Marke­ting fest­ge­stellt wird, ob ein Betreiber Schweden als Ziel­markt hat.

Was ist das Teil­neh­mer­kri­te­rium?
Das Teil­neh­mer­kri­te­rium ist ein vorge­schla­gener recht­li­cher Test, mit dem die Durch­set­zung auf alle Glücks­spiel­platt­formen ausge­weitet würde, die für schwe­di­sche Spieler zugäng­lich sind, unab­hängig vom Marke­ting.

Wie wären Finanz­dienst­leister davon betroffen?
Zahlungs­an­bieter und Verwal­tungs­dienste müssten sicher­stellen, dass sie nur lizen­zierte Betreiber unter­stützen, wenn schwe­di­sche Verbrau­cher betei­ligt sein könnten.

Was ist Spel­paus?
Spel­paus ist das natio­nale Selbst­aus­schluss-System Schwe­dens, mit dem sich Einzel­per­sonen mit einer einzigen Regis­trie­rung von allen lizen­zierten Glücks­spiel­an­bie­tern sperren lassen können.

Warum ist Kana­li­sie­rung wichtig?
Die Kana­li­sie­rung misst, wie viel Glücks­spiel inner­halb des lizen­zierten Marktes statt­findet. Eine höhere Quote deutet auf einen stär­keren Verbrau­cher­schutz und eine wirk­same Regu­lie­rung hin.

Wann könnten die neuen Regeln in Kraft treten?
Wenn sie geneh­migt werden, sollen die neuen Vorschläge am 1. Januar 2027 in Kraft treten, damit Betreiber und Dienst­leister Zeit haben, sich anzu­passen.

Wie hat die Branche reagiert?
Sowohl Svenska Spel als auch der schwe­di­sche Bran­chen­ver­band BOS haben ihre Unter­stüt­zung für die Vorschläge bekundet und die Regie­rung aufge­for­dert, die Gesetz­ge­bung voran­zu­treiben.

Paula Nancy
Paula Nancy
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