EU Glücks­spiel­steuer: EGBA hält Vorschlag für unrea­lis­tisch

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Der Euro­päi­sche Verband für Glücks­spiel und Wetten hat erheb­liche Bedenken hinsicht­lich einer geplanten EU-weiten Steuer auf Onlin­e­glücks­spiele geäu­ßert und das Konzept als „grund­sätz­lich unrea­lis­tisch“ und poten­ziell kontra­pro­duktiv bezeichnet. Die Debatte ist im Rahmen der umfas­sen­deren Diskus­sionen über den nächsten lang­fris­tigen Finanz­rahmen der EU für den Zeit­raum von 2028 bis 2034 entstanden.

Während die poli­ti­schen Entschei­dungs­träger weiterhin nach neuen Einnah­me­quellen suchen, um den Haus­halts­be­darf der Union zu decken, warnen Bran­chen­ver­treter, dass eine solche Steuer unbe­ab­sich­tigt regu­lierte Märkte unter­graben und die Steu­er­ein­nahmen der Mitglied­staaten insge­samt verrin­gern könnte.

Hinter­grund der EU-Haus­halts­dis­kus­sionen

Der Vorschlag kam während der Bera­tungen des Haus­halts­aus­schusses des Euro­päi­schen Parla­ments auf, der mögliche Finan­zie­rungs­me­cha­nismen für den kommenden mehr­jäh­rigen Finanz­rahmen prüft. Dieser Rahmen legt fest, wie die Euro­päi­sche Union über mehr­jäh­rige Zeit­räume Mittel zuweist und einnimmt, und ist ein zentrales Element der Finanz­pla­nung der Union.

Zu den verschie­denen Ideen, die derzeit geprüft werden, gehört eine einheit­liche Steuer auf Onlin­e­glücks­spiel­ak­ti­vi­täten in allen EU-Mitglied­staaten. Das Konzept wurde ursprüng­lich Anfang 2026 von Victor Negrescu vorge­stellt, der argu­men­tierte, dass die Maßnahme einen bedeu­tenden Beitrag zu den EU-Finanzen leisten könnte.

Schät­zungen zufolge könnte eine solche Abgabe jähr­lich zwischen 2 und 4 Milli­arden Euro einbringen und über die Dauer des Haus­halts­zy­klus hinweg poten­ziell insge­samt 28 Milli­arden Euro errei­chen. Die Idee fand Unter­stüt­zung bei einer Gruppe von Mitglie­dern des Euro­päi­schen Parla­ments, was auf ein gewisses poli­ti­sches Inter­esse an einer weiteren Prüfung des Konzepts hindeutet.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Vorschlag zum jetzigen Zeit­punkt noch explo­rativ ist und keine verbind­liche Gesetz­ge­bung darstellt.

EGBA äußert Bedenken hinsicht­lich Durch­führ­bar­keit und Recht­mä­ßig­keit

Die Euro­pean Gaming and Betting Asso­cia­tion hat kritisch reagiert und sowohl recht­liche als auch prak­ti­sche Heraus­for­de­rungen im Zusam­men­hang mit der Einfüh­rung einer zentra­li­sierten EU-Glücks­spiel­steuer hervor­ge­hoben. Die Orga­ni­sa­tion argu­men­tiert, dass die Regu­lie­rung des Glücks­spiels inner­halb der Euro­päi­schen Union nach wie vor weit­ge­hend in der Verant­wor­tung der einzelnen Mitglied­staaten und nicht der EU-Insti­tu­tionen liege.

Maarten Haijer, Gene­ral­se­kretär des Verbandes, stellte klar, dass die jüngste Abstim­mung im Haus­halts­aus­schuss nicht als endgül­tiger Poli­tik­wechsel inter­pre­tiert werden sollte. Statt­dessen bezeich­nete er sie als einen ersten Schritt, der darauf abzielt, die Mach­bar­keit neuer Einnah­me­op­tionen zu prüfen.

Aus recht­li­cher Sicht vertritt die EGBA die Auffas­sung, dass es derzeit keinen etablierten Rahmen gibt, der es der EU ermög­li­chen würde, eine solche Steuer in allen Mitglied­staaten zu erheben, zu harmo­ni­sieren oder einzu­treiben. Jeder Versuch, dies zu tun, könnte auf komplexe regu­la­to­ri­sche Hürden stoßen und erheb­liche Ände­rungen an bestehenden Verwal­tungs­struk­turen erfor­dern.

Abge­sehen von recht­li­chen Erwä­gungen bezeich­nete der Verband das vorge­schla­gene System als „grund­sätz­lich undurch­führbar“, insbe­son­dere wenn es auf die bereits viel­fäl­tigen natio­nalen Steu­er­sys­teme aufge­setzt werde.

Bedenken hinsicht­lich Markt­ver­zer­rungen und ille­galer Anbieter

Eines der zentralen Argu­mente der EGBA betrifft die poten­zi­ellen Auswir­kungen einer zusätz­li­chen Steu­er­be­las­tung auf den Markt. In mehreren EU-Ländern sehen sich lizen­zierte Glücks­spiel­an­bieter bereits mit relativ hohen Steu­er­sätzen konfron­tiert, die in einigen Fällen 50 Prozent der Brut­to­spie­ler­träge über­steigen.

Nach Ansicht des Verbandes könnte die Einfüh­rung einer weiteren Steuer auf EU-Ebene regu­lierte Anbieter in einen Wett­be­werbs­nach­teil bringen. Dies wiederum könnte Verbrau­cher dazu veran­lassen, auf nicht lizen­zierte oder Offshore-Platt­formen auszu­wei­chen, die den EU-Vorschriften oder Steu­er­an­for­de­rungen nicht entspre­chen.

Die EGBA warnte, dass „die einzigen Gewinner die ille­galen Anbieter sind“, und hob das Risiko hervor, dass solche Platt­formen aufgrund ihrer nied­ri­geren Kosten­struk­turen attrak­ti­vere Quoten, Boni und Preise anbieten könnten.

Diese Sorge spie­gelt eine umfas­sen­dere poli­ti­sche Heraus­for­de­rung inner­halb des euro­päi­schen Glücks­spiel­sek­tors wider, in dem die Behörden bestrebt sind, ein Gleich­ge­wicht zwischen Besteue­rung, Verbrau­cher­schutz und Markt­wett­be­werbs­fä­hig­keit herzu­stellen. Ein über­mä­ßiger fiska­li­scher Druck auf lizen­zierte Betreiber kann nach Ansicht von Bran­chen­ver­tre­tern die Bemü­hungen um eine Kana­li­sie­rung unter­graben, die darauf abzielen, Nutzer in regu­lierte Umge­bungen zu lenken.

Mögliche Auswir­kungen auf den Verbrau­cher­schutz

Neben wirt­schaft­li­chen Erwä­gungen hat die Debatte auch Auswir­kungen auf die Verbrau­cher­si­cher­heit. Regu­lierte Glücks­spiel­an­bieter inner­halb der EU unter­liegen in der Regel strengen Anfor­de­rungen in Bezug auf verant­wor­tungs­be­wusstes Spielen, Maßnahmen zur Bekämp­fung von Geld­wä­sche und Spie­ler­schutz.

Nicht lizen­zierte Anbieter hingegen halten sich mögli­cher­weise nicht an diese Stan­dards. Die EGBA hat davor gewarnt, dass der Spie­ler­schutz insge­samt geschwächt werden könnte, wenn Verbrau­cher aufgrund von Preis­un­ter­schieden oder einer gerin­geren Verfüg­bar­keit regu­lierter Dienste zu solchen Platt­formen abwan­dern.

Diese Sicht­weise steht im Einklang mit den laufenden Diskus­sionen in ganz Europa darüber, wie der Einfluss ille­galer Glücks­spiel­märkte am besten begrenzt werden kann. Viele natio­nale Regu­lie­rungs­be­hörden haben Maßnahmen wie Werbe­be­schrän­kungen, Zahlungs­sperren und Lizenz­re­formen einge­führt, um diesen Risiken zu begegnen.

Eine supra­na­tio­nale Steuer, die unbe­ab­sich­tigt unre­gu­lierte Anbieter stärkt, könnte laut Kriti­kern diesen Bemü­hungen zuwi­der­laufen.

Abstim­mung im Ausschuss und aktu­eller Stand des Vorschlags

Der erste Bericht des Haus­halts­aus­schusses zum lang­fris­tigen Finanz­rahmen fand mehr­heit­liche Unter­stüt­zung; 26 Mitglieder stimmten dafür. Neun Mitglieder lehnten den Bericht ab, während fünf bei der Abstim­mung abwe­send waren.

Es ist wichtig, dieses Ergebnis im verfah­rens­tech­ni­schen Kontext zu betrachten. Die Abstim­mung begründet keine verbind­liche Politik, sondern signa­li­siert viel­mehr die poli­ti­sche Bereit­schaft, verschie­dene Finan­zie­rungs­op­tionen zu prüfen. Die Einbe­zie­hung einer Online-Glücks­spiel­steuer in diese Optionen spie­gelt eher ihr wahr­ge­nom­menes Einnah­me­po­ten­zial wider als eine endgül­tige Verpflich­tung.

Der nächste Schritt in diesem Prozess ist eine brei­tere Abstim­mung im Euro­päi­schen Parla­ment, die voraus­sicht­lich in Kürze statt­finden wird. Im Anschluss daran werden formelle Verhand­lungen zwischen den EU-Insti­tu­tionen und den Mitglied­staaten beginnen.

Rolle des EU-Rates und Zeit­plan für die Entschei­dung

Jede Entschei­dung über neue EU-Einnah­me­quellen erfor­dert letzt­lich die Zustim­mung aller 27 Mitglied­staaten, die im Rat der Euro­päi­schen Union vertreten sind. Diese Einstim­mig­keits­re­ge­lung führt zu einer zusätz­li­chen Komple­xität, da die natio­nalen Regie­rungen unter­schied­liche Ansichten zu Besteue­rung, Souve­rä­nität und Markt­re­gu­lie­rung haben können.

Ange­sichts dieser Verfah­rens­schritte ist eine endgül­tige Entschei­dung über die vorge­schla­gene iGaming-Steuer nicht unmit­telbar zu erwarten. Aktu­elle Anzei­chen deuten darauf hin, dass sich die Diskus­sionen bis Ende 2026 hinziehen könnten, als Teil der umfas­sen­deren Verhand­lungen rund um den mehr­jäh­rigen Finanz­rahmen.

Während dieses Zeit­raums werden Inter­es­sen­gruppen, darunter Bran­chen­ver­bände, natio­nale Regu­lie­rungs­be­hörden und poli­ti­sche Entschei­dungs­träger, voraus­sicht­lich weiterhin ihre Stand­punkte zu den poten­zi­ellen Vorteilen und Risiken des Vorschlags darlegen.

Der weitere Kontext der EU-Glücks­spiel­re­gu­lie­rung

Die Debatte über eine einheit­liche Glücks­spiel­steuer verdeut­licht die Frag­men­tie­rung der Glücks­spiel­re­gu­lie­rung inner­halb der Euro­päi­schen Union. Während die EU über­ge­ord­nete Grund­sätze in Bezug auf Wett­be­werb und Verbrau­cher­schutz vorgibt, behalten die einzelnen Mitglied­staaten die primäre Zustän­dig­keit für Glücks­spiel­ge­setze und ‑besteue­rung.

Dieser dezen­trale Ansatz hat zu einer hete­ro­genen Land­schaft geführt, mit unter­schied­li­chen Lizen­zie­rungs­mo­dellen, Steu­er­sätzen und regu­la­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen in den einzelnen Ländern. Bemü­hungen, EU-weite Maßnahmen in diesem Sektor einzu­führen, stoßen aufgrund dieser Unter­schiede häufig auf recht­liche und poli­ti­sche Heraus­for­de­rungen.

Infol­ge­dessen müssen Vorschläge wie der derzeit disku­tierte nicht nur wirt­schaft­liche Erwä­gungen berück­sich­tigen, sondern auch Fragen der Zustän­dig­keit und der Regu­lie­rungs­be­fug­nisse.

Fazit

Der Vorschlag zur Einfüh­rung einer EU-weiten Online-Glücks­spiel­steuer hat eine komplexe und sich weiter­ent­wi­ckelnde Debatte ausge­löst, die an der Schnitt­stelle von Finanz­po­litik, Markt­re­gu­lie­rung und Verbrau­cher­schutz ange­sie­delt ist. Während die Idee eine poten­ziell bedeu­tende neue Einnah­me­quelle für die Euro­päi­sche Union darstellt, wirft sie auch erheb­liche recht­liche und prak­ti­sche Fragen auf.

Die Warnung der Euro­pean Gaming and Betting Asso­cia­tion, dass die Maßnahme „grund­sätz­lich unrea­lis­tisch“ sein könnte, unter­streicht die Heraus­for­de­rungen, die mit der Harmo­ni­sie­rung der Besteue­rung in einem stark frag­men­tierten Sektor verbunden sind. Bedenken hinsicht­lich Markt­ver­zer­rungen, vermin­derter Steu­er­ef­fi­zienz und des poten­zi­ellen Wachs­tums ille­galer Anbieter verleihen der Diskus­sion zusätz­li­ches Gewicht.

Zum jetzigen Zeit­punkt befindet sich der Vorschlag noch in der Prüfung und ist noch nicht offi­ziell verab­schiedet. Die kommenden Monate und Jahre werden entschei­dend dafür sein, ob die EU-Insti­tu­tionen und die Mitglied­staaten einen ausge­wo­genen Ansatz finden können, der sowohl den finan­zi­ellen Zielen als auch den regu­la­to­ri­schen Reali­täten gerecht wird.

Im Laufe der Verhand­lungen wird das Ergebnis wahr­schein­lich nicht nur die Zukunft der EU-Haus­halts­fi­nan­zie­rung prägen, sondern auch die allge­meine Entwick­lung der Regu­lie­rung von Onlin­e­glücks­spielen in der gesamten Region.

FAQs

Worum geht es bei dem Vorschlag für eine EU-iGaming-Steuer?
Der Vorschlag sieht die Einfüh­rung einer einheit­li­chen Steuer auf Onlin­e­glücks­spiele in allen EU-Mitglied­staaten vor, um Einnahmen für den EU-Haus­halt zu gene­rieren.

Wer hat die Idee einer EU-Glücks­spiel­steuer vorge­schlagen?
Der rumä­ni­sche Euro­pa­ab­ge­ord­nete Victor Negrescu brachte das Konzept ursprüng­lich im Rahmen von Diskus­sionen über die künf­tige EU-Finan­zie­rung ein.

Wie viel Einnahmen könnte die Steuer gene­rieren?
Schät­zungen zufolge könnten jähr­lich zwischen 2 und 4 Milli­arden Euro einge­nommen werden.

Warum lehnt die EGBA den Vorschlag ab?
Die EGBA argu­men­tiert, dass die Steuer recht­lich komplex ist und regu­lierten Anbie­tern schaden könnte, während ille­gale Platt­formen davon profi­tieren würden.

Ist die Steuer bereits verab­schiedet?
Nein, sie wird noch disku­tiert und ist noch nicht als Gesetz verab­schiedet worden.

Was ist der mehr­jäh­rige Finanz­rahmen?
Es handelt sich um den lang­fris­tigen Haus­halts­plan der EU, der die Ausgaben- und Einnah­me­schwer­punkte über mehrere Jahre hinweg fest­legt.

Könnte die Steuer Auswir­kungen auf die Verbrau­cher haben?
Ja, sie könnte zu weniger regu­lierten Ange­boten führen und Nutzer mögli­cher­weise in Rich­tung nicht lizen­zierter Platt­formen treiben.

Wer entscheidet über die endgül­tige Umset­zung?
Alle 27 EU-Mitglied­staaten müssen sich im Rat der Euro­päi­schen Union einigen.

Wann wird eine endgül­tige Entschei­dung getroffen?
Eine Entschei­dung wird nach lang­wie­rigen Verhand­lungen erwartet, voraus­sicht­lich bis Ende 2026.

Regu­liert die EU derzeit das Glücks­spiel?
Die Regu­lie­rung des Glücks­spiels erfolgt haupt­säch­lich auf natio­naler Ebene durch die einzelnen Mitglied­staaten.

Paula Nancy
Paula Nancy
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